2019 wollte ich mein Leben systematisieren. Ich erfasste Aufgaben Monate im Vorhinein mit Uhrzeit und Datum. Staubwischen, Staubsaugen, waschen, usw. bekamen einen festen Tag und Uhrzeit. Auch Einkaufen wollte ich nicht mehr. Nachdem ich einen umfassenden Mahlzeitenplan erstellt hatte, wollte ich bestellen. 

Doch Lebensmittel bestellen war schwierig. Erst musste ich Produkte in der richtigen Menge zum Warenkorb hinzufügen. Dann die Filiale auswählen—welche dann einige Produkte nicht hatte. Also Ersatz finden, wieder die Filiale auswählen und… bestellen? Nein, Lieferzeitpunkt auswählen. Der erstmögliche Termin war noch mehrere Tage entfernt. Den am wenigsten ungünstigen Termin ausgewählt, den Einkauf (plus die ca. 20%ige Liefergebühr)—und dann bestellt. 

All das habe ich mir nur ein Mal angetan—obwohl ich mein Leben systematisieren wollte. So umständlich und teuer waren die meisten Lieferdienste. 

Das deutsche Unicorn-Startup Gorillas macht das Gegenteil. In mehreren Städten europaweit liefert Gorillas für 1,80€ pro Bestellung Lebensmittel zu Supermarktpreisen. Die Bestellung ist in ca. 10 Minuten geliefert. 

Das Konzept hat sich erwiesen: Seit der Gründung in 2020 hat Gorillas mehr als 280 Millionen Euro von Investoren eingesammelt und wird mit über einer Milliarde Euro bewertet. 

Product-Market Fit ist erreicht, Konzept erwiesen. Was kommt als nächstes? Wachstum und Skalierung natürlich!

Genau darum geht’s in diesem Artikel: Marketing-Ideen, mit denen Gorillas noch schneller wachsen könnte.

Ich erkläre in diesem Artikel Marketing-Ideen, die ich als Marketingleiter bei Gorillas umsetzen würde. Dabei erkläre ich nicht nur die Ideen selbst, sondern auch die Prinzipien dahinter. Dadurch erfährst du auch, wie du das Ganze auf dein eigenes Startup anwendest.

Alle Ideen sind auf die Umstände von Gorillas angepasst: Kapital und Expertise sind zuhauf vorhanden. Wenn du nach Marketing-Strategien für Early-Stage Startups suchst,passt mein Artikel zu RemNotes Marketing besser.

Bereit? Let’s go!

Mehr Anmeldungen und höhere Average Order Value durch Influencer-Rezeptpakete

Kunden vertrauen Menschen mehr als Unternehmen. Besonders Menschen, zu denen wir aufschauen überzeugen uns von Käufen (Cialdini, 2001)

Aber gut, Influencer Marketing ist nichts Neues. Wer YouTube Videos schaut, kennt den Satz “diese Folge wird präsentiert von…” in- und auswendig. 

Ich meine hiermit kein simples Sponsoring. Ich sehe für Gorillas Potenzial in enger Zusammenarbeit mit Influencern. 

Gorillas könnte gemeinsam mit Influencern (insbesondere Food-Influencern) ein Rezept erstellen, das Influencer auf ihren Kanälen bewerben. Fans können das gesamte Rezept dann mit einem Klick in der Gorillas-App zu ihrem Warenkorb hinzufügen.

Da Gorillas “nur” Zutaten liefert und nichts zubereiten muss, wäre das Konzept schnell umsetzbar, wodurch ein Test keine umfassende Produktentwicklung erfordert (anders als typische Promi-Kollaborationen). Das senkt Produktionskosten. 

Dabei muss es nicht bei einem Rezept bleiben: Influencer könnten kurz nach dem Launch der Kooperation einen Livestream veranstalten, wo sie zusammen mit ihrer Community das Essen bestellen, zubereiten und verzehren. 

Eine zeitliche Begrenzung der Option könnte die Nachfrage weiter steigern.

Dadurch sieht die Community live, wie schnell Gorillas liefert. Außerdem assoziiert die Community direkt ein Erlebnis mit Gorillas. 

Die offensichtlichen Vorteile sind: 

  • Viele neue User auf ein Mal
  • Starker Ersteindruck durch positive Erfahrung
  • (wahrscheinlich) höherer Wert pro Bestellung
  • Vertrauen durch glaubwürdige Influencer

Doch es gibt auch einen verborgenen Gewinn: Wettbewerbsvorteil.

Denn wir leben in einer Welt, in der selbst komplexe Produkte und Dienstleistungen schnell kopiert werden. Dementsprechend bekommt auch Gorillas gut kapitalisierte Konkurrenz von Startups wie Jokr, Flink und co. Um Marktführer zu bleiben, muss Gorillas seinen Vorteil weiter ausbauen.

In seinem Buch “7 Powers” beschreibt Hamilton Helmer sieben Wettbewerbsvorteile: 

  • Skalierung
  • Wechselkosten
  • Umkämpfte Ressourcen
  • Konterpositionierung
  • Marke
  • Netzwerkeffekte
  • Abläufe

Die oben beschriebene Influencer-Aktion würde mehrere dieser Vorteile ausbauen: 

Umkämpfte Ressourcen: Umkämpfte Ressourcen sind für andere Geschäftsfelder leicht erklärt. Wer beispielsweise die Ausstrahlungsrechte für die Bundesliga hat, hat im TV-Markt einen Wettbewerbsvorteil. 

Im Falle von Gorillas: Zugang zu Kapital Personal, Lagerflächen und Wertschöpfungsketten haben Mitbewerber auch. Viel umkämpfter sind Vertrauen und Aufmerksamkeit. Genau das gewänne Gorillas mit einer solchen Aktion—denn (gute) Influencer haben Aufmerksamkeit und Vertrauen zuhauf. 

Wechselkosten: Wenn der Wechsel zu einem Mitbewerber viel Aufwand, Geld, Zeit o.Ä. kostet, spricht man von Wechselkosten. Wer beispielsweise all seine Apps, Musik und Kontakte auf einem iPhone hat, hätte hohe Wechselkosten zu Android. 

Die Kooperation mit Influencern würde für Gorillas Switching Costs bedeuten. Denn die Fans von Gorillas-Influencern können die gleiche Erfahrung nicht bei der Konkurrenz machen.

Skalierung: Gorillas weiß genau, welche Produkte durch die Kooperation öfter verkauft werden. Dadurch können größere Mengen zu geringeren Preisen bestellt werden, was wiederum die Margen steigert. 

Marke: Eine starke Marke ist ein großer Wettbewerbsvorteil (sonst würden wir alle nur Discounterprodukte kaufen, solange die Qualität gleich ist). Wenn Gorillas für bestimmte Communities als DIE Lebensmittel-Liefer-App bekannt ist, kaufen die Zuschauer der entsprechenden Community eher bei Gorillas als bei Jokr, Flink und co.

Soweit zu Idee 1. Doch so ein Marketing-Feuerwerk kann man nicht durchgehend abfeuern. Es braucht auch strategische Ideen, die langfristiges, nachhaltiges Wachstum bedeuten.

Idee 2 ist weniger “sexy”, aber trotzdem enorm nützlich. 

Gorillas “Wundertüten” für abgelaufenes Inventar

Wir hören es immer wieder: Supermärkte schmeißen enorm viele essbare Lebensmittel weg, weil sie fast abgelaufen und damit unverkäuflich sind. 

Diese Kritik hören wir vor allem mit dem Blickwinkel auf Nachhaltigkeit. Doch auch geschäftlich ist das unvorteilhaft: Supermärkte vernichten bezahltes Inventar.

Das auch unverkauftes Essen wertvoll ist, zeigen Startups wie Too Good To Go, das dieses Jahr 31,1 Millionen Dollar von Investoren eingesammelt hat. 

Wahrscheinlich wandern auch bei Gorillas unverkaufte Lebensmittel in die Mülltonne. Das ließe sich mit einer simplen Strategie vermeiden: 

Gorillas könnte Lebensmittel, die sonst umkommen würden, als Überraschung zu günstigen Preisen verkaufen. Kunden könnten z.B. eine Art Wundertüte kaufen, die jeden Tag ab 20 Uhr verfügbar ist. Die wäre enorm günstig und enthält 5 zufällige Produkte, die sonst umgekommen wären. 

Alternativ könnte man eine solche “Wundertüte” ab einem gewissen Bestellwert gratis anbieten, um einen Anreiz für größere Bestellmengen zu liefern. 

Sogar komplett umangekündigt wäre das möglich. Eine Tüte mit Produkten und eine Karte “das hier wäre sonst umgekommen, bei dir ist es sicherlich besser aufgehoben” führt zu positiven Überraschungen und dadurch zur Ausschüttung von Dopamin. Das wiederum führt dazu, dass Kunden gerne wieder bei Gorillas bestellen.

Dadurch entsteht nicht nur Vorfreude bei Kunden, sondern auch ein positives Image.

Gorillas macht sich für Nachhaltigkeit stark, was oft auch Presseaufmerksamkeit bringt. Doch auch der Business Case ist klar: Unverkauftes Inventar bringt doch noch Umsatz—entweder durch gesteigerte Bestellmengen oder durch direkten Verkauf.

Doch einer der größten Wettbewerbsvorteile fehlt noch komplett: Netzwerkeffekte. Deswegen hier Idee 3:

Netzwerkeffekte durch Einkaufs-“Playlists”

Spotify war einer der ersten Musik-Streamingdienste–und ist trotz einer Menge Konkurrenten immer noch der deutliche Marktführer. Wie viele Leute kennst du mit einem Google Play Music, Deezer oder Tidal Abo? Ich persönlich kenne niemanden.

Und das, obwohl der Musikkatalog bei fast allen Diensten ähnlich ist. Einer von Spotifys Erfolgsfaktoren ist das Netzwerk, das zwischen seinen Nutzern entsteht. 

Auf Spotify findet man für jede Stimmung, jeden Anlass, jede Altersgruppe und jeden Pegel eine Playlist. Oft sind die nicht von Spotify erstellt, sondern von anderen Mitgliedern. 

Netzwerkeffekte sind leicht definiert: Je mehr bestehende Nutzer/Kunden das Unternehmen hat, desto besser die Erfahrung für neue Nutzer/Kunden.

So etwas könnte auch Gorillas einführen. Leute könnten den Warenkorb für ein gewisses Rezept oder einen gewissen Anlass abspeichern. Das würde nicht nur zu mehr wiederholten Bestellungen führen: Ähnlich wie Spotify-Playlists könnte man solche Warenkörbe dann veröffentlichen. 

Wenn man dann beispielsweise auf eine Tüte Chips drückt, könnte ein Textfeld zeigen: “Dieses Produkt ist Teil von: Bundesliga-Abend”. Wer darauf klickt, kommt zum gespeicherten Bundesliga-Abend Paket, das jemand anders erstellt hat. 

Dieses Konzept lässt sich für alle Anlässe, Stimmungen usw. umsetzen.

Aber gut, wieso sollten Gorillas-Kunden ihre Einkäufe veröffentlichen? 

Gorillas könnte einen Anreiz bieten. Eine Gratis-Lieferung des Warenkorbs für alle 10 Bestellungen, die diese “Playlist” generiert. Durch so eine nicht-monetäre Entlohnung stellt man sicher, dass Leute die App nicht mit nutzlosen Warenkörben fluten. 

Auch hier gibt’s offensichtliche Vorteile: 

  • Gesteigertes Bestellungsvolumen
  • Einfacher Einstieg für neue User, die sonst nicht wissen, was sie kaufen sollen
  • Netzwerkeffekte, weil die App User untereinander verbindet

Doch auch hier gibt’s wieder einen verborgenen Vorteil: 

Gorillas würde damit anderen eine Plattform bieten. Spotifys Playlists sind nicht mehr nur ein Werkzeug, um neue Musik zu entdecken. 

Sie sind auch Marketing-Werkzeug (Barilla) und Meme-Format. Außerdem haben Freundeskreise, Was, Sportvereine, Coworking Spaces usw. Oft ihre eigenen Playlists, die essentieller Bestandteil des Soziallebens sind. 

Für all diese Aufmerksamkeit bezahlt Spotify keinen Cent.

Das gleiche wäre für Gorillas möglich. Gruppen, die oft ein bestimmtes Gericht zusammen essen, könnten den Einkauf vereinfachen. Man könnte witzige thematische Warenkörbe erstellen und miteinander teilen. 

Auch gibt’s auf vielen Lebensmittelverpackungen ein Rezept, das man mit dem Produkt kochen kann—oft mit Zutaten des gleichen Unternehmens. Gorillas könnte es möglich machen, so ein Rezept direkt an ein Produktlisting zu koppeln—und dafür vom entsprechenden Unternehmen Werbekosten einnehmen. 

Doch einen Vorteil von Gorillas habe ich noch nicht erwähnt: 

Wie Gorillas am Tourismus-Markt teilhaben kann—der Vorteil der Lokalität

Da Gorillas mit Mikro-Fulfillment Centers arbeitet, sind sie bzgl. Inventar flexibel und können in jeder Stadt andere Dinge ins Inventar aufnehmen. 

Das sieht man auch: In jeder Stadt ist das Sortiment ein wenig anders. Oft gibt’s lokale Spezialitäten von kleinen Unternehmen.

Das könnte für Reisende interessant sein. Da die App für die Lieferung Zugriff auf den Standort hat, könnte sie auch erkennen, wenn ein Nutzer im Urlaub ist. Bei Öffnung der App könnte sie dann ein “Willkommenspaket” anbieten. 

Wer z.B. in Paris ist, könnte ein Popup bekommen, das auf ein Bündel von lokalem Essen verweist—wo man ein Baguette einer lokalen Bäckerei, einen lokalen Wein und verschiedene Sorten Käse zusammen bestellt. 

Dadurch unterstützt man nicht nur lokale Unternehmen. Wie auch bei der Influencer-Idee am Anfang wird Gorillas so Teil einer tollen Erfahrung (dem Urlaub). 

Das waren meine Marketing-Ideen für Gorillas. Wie du siehst, hat dieses Unternehmen sehr viel Potenzial. Gerade, weil sie eben schon einen gewissen Vorteil haben. Der Kern aller Ideen ist der Ausbau dieses Wettbewerbsvorteils. Gerade als Marktführer darf man sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen, sondern muss weiter innovativ bleiben. Hoffentlich konntest du etwas mitnehmen.

Bis nächste Woche!

(Dieser Artikel ist ein neues Format. Ich glaube, dass die meisten “How-To” Artikel im Marketing nutzlos sind und höchstens Ablenkung bieten. Stattdessen möchte ich a) Inhalte direkt mit Kontext verbinden, damit du dich besser daran erinnerst und b) mehr Aufmerksamkeit auf coole Startups lenken und evtl. nüztzliche Ideen mit dem Team teilen.)

Früher hatte mein Leben die Struktur eines Jackson Pollock Bilds. Mein häufigster Gedanke war “das kann ich mir doch merken”.

Dementsprechend waren viele Bücher, Kurse und Lehrvideos praktisch nutzlos. Mein Gehirn nahm die Informationen wahr, vergaß sie aber sofort wieder. Deswegen nutzte ich die “Vorschlaghammer-Methode”: Hörbücher, Kurse u.Ä. hörte ich mir wieder und wieder an, damit irgendwas hängen bleibt.

Doch dann entdeckte ich die Macht effektiver Notizen. Seitdem lese ich mit Stift in der Hand, digitalisiere meine Notizen und verlinke sie miteinander. 

Dadurch merke ich mir mehr, habe eine wachsende Wissensbasis und entdecke Zusammenhänge in meinen Notizen. 

Die Software, die das möglich macht, heißt RemNote

In diesem Artikel erkläre ich 4 Marketing-Ideen, die ich für RemNote umsetzen würde. Dabei erkläre ich nicht nur, was ich tun würde, sondern auch wie und warum. So kannst du die Strategien anwenden und für dein Unternehmen nutzen.

RemNote: Wo sind sie momentan?

RemNote ist ein junges Startup. Das heißt, dass Marketing wahrscheinlich keine Priorität hat. Der Fokus liegt erstmal darauf, Early Adopters eine tolle Erfahrung zu liefern. Mit effektivem Marketing skalieren kommt später (wie in vielen Tech-Startups)

Die größte Marketing-Aktion bisher war der Producthunt Launch, bei dem RemNote 868 Upvotes bekam — ein Erfolg für Early Stage SaaS-Unternehmen. 

Die Marketing-Ideen in diesem Artikel dienen dazu, RemNotes Nutzerzahl zu steigern. Da RemNote ein junges Startup ist, geht’s um Kernbotschaft und produktbasierte Wachstumsstrategien statt teuren Werbekampagnen.

Marketing-Idee 1: Dokumenten-Freigabe

Auf RemNote kann man Dokumente veröffentlichen, um sie zu teilen. Das sieht dann so aus.

Die Funktion an sich ist toll, da man Freunden und Kollegen Notizen freigeben kann. So würde ich daraus eine Wachstumsstrategie machen:

RemNote auf veröffentlichten Dokumenten erklären

Unter dem Link oben findest du meine Notizen zu “The End of Banking”. Du findest auch einen Link, um das Dokument in deine eigene RemNote Datenbank zu importieren. Doch wenn du keine RemNote Datenbank hast, verwirrt dich der Satz wohl eher.

Natürlich sind geteilte Dokumente keine Werbefläche. Aber eine kleine Änderung für nicht eingeloggte Besucher könnte hier viel bewirken: 

UX Texte Case Study

Veröffentlichte Dokumente bei Google indexieren

Für fast jedes Buch suchen potentielle Leser und faule Studierende auf Google nach Zusammenfassungen. 

RemNote könnte dementsprechend höhere Google Rankings und dadurch mehr Traffic gewinnen, wenn sie veröffentlichte Dokumente (nach Zustimmung des Nutzers) auf Google indexieren. 

Auch wenn RemNote Dokumente wahrscheinlich nicht mit SEO-optimierten Blogartikeln mithalten können, könnten langfristig für Long Tail Keywords gute Rankings entstehen, die RemNote Traffic bringen.

Das Ganze gilt natürlich nicht nur für Zusammenfassungen beliebter Bücher, ist aber der offensichtlichste Use Case.

Wieso sollte man als Nutzer seine Notizen bei Google indexieren lassen? RemNote müsste hier einen Anreiz liefern, durch den der Traffic auch dem Ersteller des Dokuments zugute kommt. 

Dazu würde ich den Profilnamen Nutzer auf veröffentlichten Dokumenten ihre Social Media Profile, Website, usw. verlinken lassen:

Ich als Contentersteller könnte so extra Aufmerksamkeit gewinnen. Und RemNote könnte mit einmaligem Aufwand langfristig Traffic gewinnen.

Noch cooler wäre natürlich eine Funktion á la Buy Me A Coffee. So könnte RemNote Lesern direkt anbieten, den Ersteller des Dokuments für seine Arbeit zu entlohnen – und für die Abwicklung einen Anteil einbehalten. Win-Win-Win

Diese Idee ist ein klassisches Beispiel davon, ungenutzte Ressourcen nützlich zu machen. Viele Startups haben Inhalte, die momentan in irgendwelchen Ordnern schlummern, obwohl sie das Unternehmen im Marketing voranbringen könnten. 

Content Marketing Strategie

Mehr User gewinnen durch automatische Einladungen

Jeder RemNote Nutzer hat einen persönlichen Link, mit dem er Freunde, Bekannte usw. einladen kann (hier ist meiner). Meldet sich jemand darüber an, bekommt man einen Monat gratis RemNote Pro. 

Eine simple Funktion für mehr User wäre eine Option zur Einladung beim Teilen von Dokumenten. Meistens teilt man ein Dokument mit einer spezifischen Person oder Gruppe. 

Schon eine kleine Benachrichtigung nach der Veröffentlichung eines Dokuments könnte neue Nutzer bringen: 

Im Internet vertrauen Menschen immer weniger. Wir wissen, dass man Bewertungen, Likes und Follower faken kann. Deswegen werden echte Empfehlungen immer wichtiger. 

Mit einem Mechanismus wie oben baut man vertrauenswerte Empfehlungen in eine bestehende Routine ein (den Link teilt man sowieso) und liefert Nutzern einen Anreiz, ihre Dokumente zu teilen und RemNote neue Nutzer zu bringen.

Marketing-Idee 2: Mehr langfristige Kundenbindung mit effektivem Email Marketing

Email ist einer der wenigen Marketing-Kanäle, bei denen du wirklich unabhängig bist. LinkedIn, Facebook und TikTok können dir mit einer Algorithmus-Änderung Reichweite, Traffic und Umsatz abdrehen. 

Eine Email-Liste ist von weniger Faktoren abhängig, weil du die Daten selbst verwaltest.

Von RemNote habe ich bisher nur eine Email bekommen, die verschiedene Use Cases beschreibt. Das ist prima, allerdings geht noch einiges mehr: 

Mehr Kundenbindung und Community durch ein regelmäßiges Newsletter-Format

Mitbewerber Roam Research hat das Format “Roaman Times”. Diese Email kommt ungefähr wöchentlich und enthält zwei Dinge: 

  1. Vorstellung der neuesten Features/Verbesserungen
  2. Die besten Inhalte aus der Community
Roam Research Newsletter

Das hat vier Vorteile: 

  1. Wer zweifelt, wird vielleicht Kunde, wenn sein Traum-Feature herausgekommen ist.
  2. Kunden merken, dass sie Teil einer lebendigen Community
  3. Kunden werden vom Team dafür belohnt, Inhalte für die Community zu erstellen
  4. Zahlende Kunden sehen, dass das Produkt ständig wächst, was Kündigungen senken kann

Dadurch entsteht ein Kreislauf, durch den Roam immer weiter wächst:

Growth Loop SaaS

So einen Newsletter könnte auch RemNote umsetzen. Wöchentlich oder 14-tägig ein Bericht über die neusten Updates und Projekte im Team und die besten Inhalte aus der Community. 

Wenn man so einen Newsletter gut umsetzt, dokumentiert man eine Story – und Geschichten sind eins der mächtigen Werkzeuge im Marketing. Zum einen sieht man das Unternehmen und die Software “live” wachsen.

Zum anderen fühlt man sich als Community-Mitglied als Teil einer wachsenden Bewegung. Das schafft Gefühle von Zugehörigkeit und steigert so die Kundenbindung. 

So ein Format hat langfristige Effekte. Schnelle Effekte bringt zum Beispiel Email-Onboarding:

Mehr aktive User durch effektives Onboarding

Wir kennen es alle: Man findet eine coole Software oder Website, meldet sich sofort an – und loggt sich nie wieder in, weil man’s einfach vergisst. 

Deswegen nutzen viele Software-Startups Onboarding-Automationen. Das Konzept ist einfach: Wer sich anmeldet, erhält 1-2 Wochen lang regelmäßig Emails, die neue User Schritt für Schritt in die Software einführt. 

Diese sind besonders wichtig, da die erste Interaktion mit einer Software/Unternehmen/Person besonders einflussreich für die Kundenbeziehung ist.

RemNote könnte beispielsweise folgende Sequenz erstellen:

  1. Willkommens-Email mit Link zum Login und Tutorials (direkte Aktivierung des Users)
  2. Anleitung, wie man seine erste Notiz erstellt (damit User Erfahrungen mit RemNote sammeln)
  3. Die Story hinter RemNote (Aufbau einer emotionalen Verbindung)
  4. Was RemNote von der Konkurrenz abhebt(für User, die verschiedene Tools vergleichen)
  5. Wissenschaftliche Hintergründe, warum RemNote funktioniert (um mehr Vertrauen zu gewinnen)
  6. Vorstellung von RemNote Pro Features (für mehr Pro-Abonnements)
  7. Umfrage-Mail, warum sich User angemeldet hat (um mehr Daten zu gewinnen)

Das sind natürlich nur Beispiele (ich kenne die am häufigsten gestellten Fragen ja nicht). 

Im Email-Automatisierungs-Bereich ist noch einiges mehr möglich (bspw. Segmentierung nach unternommenen Onboarding-Schritten) – allerdings soll dieser Artikel umsetzbare Tipps geben und kein kompletter Onborading-Ratgeber sein.

Grundsätzlich gilt aber: Email-Onboarding sollte Kunden Tipps geben und Hürden zur Nutzung der Software abbauen.

Aktivierte User bringen aber nichts, wenn sie nach 3 Monaten wieder weg sind. Deswegen glaube ich, dass RemNote von mehr Transparenz profitieren würde. 

Marketing-Idee 3: Mehr Vertrauen bestehender User durch öffentliche Transparenz

RemNote ist eine junge Software. Dadurch gibt’s noch einige UX-Probleme, fehlende Features usw. 

RemNote Early-Adopter wie ich lieben die App trotzdem. Allerdings wissen alle, dass noch einiges fehlt. 

Die Community fragt oft nach neuen Features, worauf das Team manchmal antwortet – und manchmal nicht. Dadurch gibt’s keine Klarheit darüber, was als nächstes auf der Liste der Entwickler steht. Das führt u.U. dazu, dass Nutzer zu einer anderen Software wechseln oder sich gar nicht erst anmelden. 

Eine öffentliche Roadmap könnte das Problem lösen. Wer bspw. hauptsächlich am iPad arbeitet, möchte wahrscheinlich eine Software mit iOS App nutzen. Die gibt’s bei RemNote noch nicht, ist aber in Entwicklung. Das ist nicht sofort ersichtlich – man muss Recherche betreiben, um es herauszufinden. 

Das schreckt u.U. potentielle User ab. Auf der anderen Seite engagiert sich eine Community, wenn sie merken, dass ihre Vorschläge geschätzt und umgesetzt werden. 

Startups haben den strategischen Vorteil, dass sie nah am User sind.

Den Vorteil müssen sie aber auch nutzen. 

Wenn ich eine Idee für ein iPad Feature habe, kann ich Tim Cook keine Email schreiben. Und selbst wenn – bevor ein Konzern wie Apple irgendetwas umsetzt, müssen das 13 Komitees absegnen. 

Innovative Startups verkaufen (bewusst oder unbewusst) auch das Gefühl, Teil von etwas zu sein, Einfluss zu haben und an etwas mitzuwirken.

Aber wenn Vorschläge und Feedback nicht durch Anerkennung belohnt werden, geben Leute weniger Vorschläge und Feedback. Eine einfache Roadmap zeigt die Anerkennung und verdeutlicht, welche Features kommen.

Early Adopter kaufen sich nicht nur Features. Sie zahlen auch für die Erfahrung, zu der Gruppe zu gehören, die die Band das Tool schon kannten, bevor es cool war. 

Mitbewerber Roam Research weiß, dass diese Interaktion für die richtigen User ein wichtiger Vorteil ist – und nennt sie deswegen als Kernvorteil ihres “Believer” Plans: 

RemNote verbessert die Interaktion mit der Community momentan enorm. Eine Roadmap mit zukünftigen Funktionen und Projekten wäre großartig, um momentane User zu binden, die Community zu stärken und zweifelnde User zu überzeugen. 

Eine weitere Option wären “Office Hours”, bzw. regelmäßige Fragerunden mit dem Team. Das stärkt den Austausch zwischen Team und Nutzern und erlaubt direkte Interaktion zwischen beiden Seiten, was eine tiefere Bindung erzeugt.

Marketing-Idee 4: Deutlichere Kommunikation auf der Website

RemNotes Website ist gut. Sie erklärt die Kernfunktionen und macht deutlich, worum es geht. 

Doch nur über Funktionen kann sich keine Software definieren. Es fehlen einige Elemente, die die Kommunikation noch überzeugender machen würden. 

Welches Problem löst RemNote?

Effektives Marketing kommuniziert die Vorteile des Produkts. Allerdings möchten Menschen lieber Nachteile vermeiden als Vorteile gewinnen (ein psychologisches Prinzip namens “Verlustaversion”). 

Verlustaversion

Ein Problem findet sich auf RemNotes Website momentan nicht. Dabei muss das alles nicht kompliziert sein:

Was ist eure Story?

Funktionen sind nur selten ein Wettbewerbsvorteil. Großkonzerne können Software-Features kopieren und in wenigen Monaten ausrollen. 

Gerade kleine Startups profitieren deswegen von einer emotionalen Bindung mit ihren Usern. Wenn wir wissen, dass das Team die Software nicht nur für den Exit in 3 Jahren entwickelt, bleiben wir lieber dabei. 

Doch übers Team ist auf der RemNote Website wenig zu finden. Dabei haben die Gründer tolle Stories:

  • Matty ist Arzt. Auf der Uni brachte man ihm bei, was er lernen sollte – aber nicht wie. Dadurch lernte er viel auswendig und vergaß alles nach der Klausur. Als er Wissensmanagement entdeckte, testete er verschiedenste Tools. Von RemNote war er so begeistert, dass er als Geschäftspartner einstieg.
  • Martin fiel in seinem Informatikstudium auf, dass er zwar Klausuren bestand, aber keinen nachhaltigen Wissensschatz aufbaute. Deswegen entwickelte er RemNote. Erst für sich selbst. Dann für seinen Freundeskreis. Und jetzt für die ganze Welt.

(Ungefähre Zusammenfassung aus diesem Interview).

Diese Stories enthalten viele Bausteine effektiver Marketing-Kommunikation:

Sie erzeugen Sympathie bei der Zielgruppe, die wahrscheinlich ähnliche Probleme hat (wenn auch nicht immer im Studiums-Kontext). Sie implizieren Werte, z.B. das Interesse an lebenslangem Lernen. Und sie zeigen, dass das Team intrinsisch motiviert ist, bevor sie jemals einen Cent damit verdient haben. 

Startup MarketingStrategie

Auch Investoren (falls RemNote welche sucht) interessieren sich für die Hintergründe des Teams.

Was ist eure Vision?

Meiner Meinung nach sind die Möglichkeiten für Tools wie RemNote, Roam und Co. riesig. Sie könnten wie ein Betriebssystem für das Wissen von Personen, Teams und ganzen Gesellschaften werden: 

Wenn eine Universität Lernmaterialien via RemNote ausspielt, können Studierende ihre Notizen gemeinsam nutzen und sich gegenseitig unterstützen. Dozenten könnten mit dem gleichen Zugriff direkt erfahren, welche Fragen offen sind – und in ihrem eigenen RemNote Workspace die Inhalte der vorherigen Vorlesung anpassen. 

Auch Teams in Unternehmen könnten von RemNote als Standard profitieren: Wenn jemand kündigt, braucht man keinen aufwändigen Handoff oder monatelanges Onboarding. Stattdessen bekommt das neue Teammitglied Zugang zur RemNote Datenbank und sieht direkt die Gedanken, Workflows und Interaktionen des Vorgängers.

Ich sehe riesiges Potential in dieser Produktkategorie, auch wenn das momentan erstmal unvorstellbar scheint.

So eine große Vision teilt das RemNote Team (sie wollen “wissenschaftlichen Fortschritt voranbringen, indem sie Menschen dabei unterstützen, besser zu lernen und zu denken”). 

Um das zu finden, muss ich einen Link im Footer der Website suchen und auf das Media Kit klicken. Das tun potentielle Nutzer nicht.

Startup Mission

Die Vision und Mission von RemNote prominenter zu platzieren könnte mehr Investoren und Nutzer überzeugen. Einige erfolgreiche Unternehmen schreiben dafür sogar ein Manifest

Zum Abschluss: Weiter so!

RemNote ist eine großartige Software von einem tollen Team mit einer tollen Mission und verdient mehr Aufmerksamkeit. Mit den Ideen in diesem Artikel könnten sie ihr Wachstum weiter steigern und im Markt noch mehr auffallen.

Schnell Schach lernen: Zum 1500er Rating mit “Ultralearning”?

Update 25.3.21: Fortschritt stagniert. Erfahre, was ich dagegen tue.

“Spielst du Schach?” Fragte mich ein Kollege letztes Jahr. 

“Also ich weiß ungefähr, wie die Figuren ziehen. Das war’s.” antwortete ich. 

Es stellte sich heraus, dass er seit über 15 Jahren spielt und als Kind sogar deutscher Meister war. Ich probierte gar nicht erst, gegen ihn zu spielen.

Vor ein paar Wochen haben wir dann gegeneinander gespielt. Ich war hochkonzentriert und erwartete, aus meinem garantierten Verlust lernen zu können. 

Doch das Ergebnis überraschte mich. Ich gewann die erste Partie! Inzwischen spielen wir regelmäßig. Und auch wenn mein Kollege mich 70-80% der Zeit schlägt, freue ich mich über meinen Fortschritt. Das zeigt mir, wie gut meine Lernstrategien funktionieren. 

Denn Anfang 2021 habe ich mir das Ziel gesetzt, Schach zu lernen. Ich bin vollkommen eingetaucht und habe meinen Fortschritt mit “Ultralearning” beschleunigt. 

Diese Lernstrategien teile ich in diesem Artikel mit dir. Die kannst du nutzen, um selbst schnell Schach zu lernen—oder deinen Fortschritt in einem anderen Bereich zu beschleunigen. Denn beschleunigtes Lernen basiert auf Prinzipien, mit denen du deinen Fortschritt in allen Bereichen beschleunigen kannst. 

Warum ist Schach lernen wichtig?

Mir bringen das Spiel und der Lernprozess Spaß. Doch ich lerne Schach nicht nur, weil ich gerne gut darin werden möchte: Meiner Meinung nach wird die Fähigkeit, schnell neue Fähigkeiten zu lernen, in unserer Gesellschaft immer wichtiger. 

Früher konnte man nach Ausbildung/Studium einen Job finden, den man sein Leben lang ausführen konnte, ohne viel dazuzulernen. Heute wird das immer schwieriger: Jobs werden automatisiert. Menschen erwarten mehr als Beschäftigung und ein Gehalt von ihrer Arbeit. Außerdem haben wir Zugang zum gesamten Wissen der Menschheit und sind nicht davon abhängig, welche Bildungsmöglichkeiten wo angeboten werden.

Wer schnell neue Fähigkeiten erlernen kann, findet überall einen Job und kann so seine Karriere beschleunigen. Deswegen sehe ich Schach nicht nur als spaßiges Lernprojekt, sondern als Case Study für beschleunigtes Lernen, die mir in allen Bereichen meines Lebens hilft.

Ich basiere meinen Schnelllern-Ansatz auf “Ultralearning”:

Ultralearning – die 9 Prinzipien effektiven Lernens

“Ultralearning” ist eins meiner Lieblingsbücher. Autor Scott Young weiß ein paar Dinge über schnelles lernen—denn er hat MITs weltberühmten Informatikstudiengang absolviert. Und zwar in einem Jahr (Regelstudienzeit 4 Jahre). Und ohne jemals die Uni zu betreten.

In Ultralearning beschreibt er die 9 Prinzipien schnellen Lernens und untermauert sie mit konkreten Beispielen. In diesem Artikel erkläre ich alle Prinzipien kurz und zeige dir, wie ich sie aufs Schachspielen anwende. Falls du selbst auch Schach lernen möchtest, kannst du die Ressourcen und Strategien direkt nutzen. Falls du eine andere Fähigkeit erlernen möchtest, gebe ich auch Beispiele für andere Anwendungsbereiche. 

Aber gut, lass uns loslegen:

Lernprinzip 1: Metalernen

Das erste Prinzip ist “Metalearning”. Dabei erkundest du das Thema und verschaffst dir einen Überblick, was du überhaupt lernen musst. 

Für mein Schachprojekt waren zwei Schritte wichtig: 

1. Zielsetzung

Wie du siehst, habe ich ein klares Ziel: Eine 1500er Wertung auf Chess.com in der 10 Minuten Schnellschach-Kategorie. So ein Ziel ermöglicht effektives Lernen. Ohne Ziellinie kennen wir den Weg dahin nicht.

Denn sobald du ein Ziel hast, kannst du den Weg dorthin in Etappen einteilen. Aus dem langfristigen Ziel ergeben sich konkrete Umsetzungsschritte.

Im Schach stellte ich mir direkt die Frage Was muss ein 1500 gewerteter Spieler können? Diese Fähigkeiten kann ich dann aufteilen und nach Bedarf priorisieren.

Das ist der nächste Schritt: 

Aufteilung

Im nächsten “Metalearning”-Schritt demonstrierst du die Fähigkeit, die du lernen möchtest. Denn jede Fähigkeit besteht aus verschiedenen Unterfähigkeiten. 

Im Schach sind dabei für Anfänger besonders folgende Dinge wichtig: 

  • Eröffnung
  • Mittelspiel
  • Endspiel
  • Taktiken
  • Strategie

Jeder Punkt oben hat auch wieder eigene Unterbereiche. So gibt’s offensive Taktiken und defensive Taktiken. Unter den offensiven Taktiken gibt’s dann Opfer, Täusche, Röntgenangriffe, entdeckte Angriffe usw. 

Du musst nicht vorab jedes Detail aufschreiben. Aber wichtig ist: Behalte einen Überblick über die Bestandteile der Fähigkeit, die du lernen willst.

Wie du Unterbereiche angehst, erfährst du in der Praxis. 

(Ein Hinweis hierzu: Im Schach sind Taktiken, Strategie, Eröffnung usw. wie Muskeln, die zusammenspielen. Dadurch gibt es keine in Stein gemeißelte Reihenfolge, in der man sie lernen muss. Andere Projekte erfordern einen strikten Ablauf. Du kannst z.B. kein Buch schreiben, ohne vorher zu recherchieren.)

Das war Ultralearning Prinzip 1: Metalernen. Die zwei Schritte sind: 

  1. Setze dir ein eindeutiges Ziel.
  2. Identifiziere die Bestandteile des Projekts.

So viel zur Planung – doch wie lernt man effektiv? Eine der wichtigsten Komponenten ist Fokus.

Lernprinzip 2: Fokus

Zum Anfang meines Schachprojekts spielte ich möglichst viel. Dadurch saß ich ständig vor einem Bildschirm und spielte online. Meist war ich nicht aufs Spiel konzentriert, sondern checkte nebenbei Mails, scrollte durch LinkedIn oder aß. 

Das Ergebnis? Ich spielte viele Partien, wurde aber nicht besser. Denn meine Wertung stieg kaum an. 

Das zweite Ultralearning Prinzip ist Fokus. Konzentriere dich vollständig auf dein Lernprojekt, wenn du daran arbeitest. 

Warum ist das wichtig? Wegen einem psychologischen Konzept namens “Switching Costs”. Wenn wir zwischen Aufgaben wechseln, sind wir abgelenkt.

Das schadet der Performance, gerade bei komplizierten Aufgaben wie Schachspielen. 

Seit der Erfahrung spiele ich statt 15 Spielen am Tag zwei bis drei Partien, bei denen ich 100%ig konzentriert bin. Seitdem stieg meine Gewinnrate auf über 50%: 

Fokus ist überall wichtig. Wenn du während dem Programmieren Podcasts hörst, programmierst du wahrscheinlich schlechter. Und Fernsehen beim Zeichnen macht deine Bilder nicht schöner.

Aber du kannst auch konzentriert stundenlang YouTube Videos gucken. Dadurch lernst du aber wenig. Wenn du eine Fähigkeit erlernen möchtest, musst du machen.

Darum geht’s im dritten Ultralearning Prinzip:

Lernprinzip 3: Direktheit

Auf YouTube, Twitch, Instagram usw. gibt’s nützlichen Schach-Content. Oft kommt der von Meister-Spielern, die es echt drauf haben.

Aber während man sich nach einem YouTube Video klüger fühlt, macht man keine echten Fortschritte. 

Das ist das dritte von Scott Youngs Lernprinzipien: Du lernst durch Interaktion mit der Materie, nicht durch passiven Konsum.

Wenn du Russisch lernen möchtest, musst du Russisch sprechen. Es ist verlockend, beim Einkaufen einen Russisch-Podcast zu hören. Genauso wie es verlockend ist, statt einer Partie Schach ein YouTube Video zu gucken. 

Diese Verlockung kommt daher, dass man beim Konsum nicht verlieren kann. Wenn du mit einem Muttersprachler Russisch sprichst, kannst du dich blamieren. Wenn du eine Partie Schach spielst, kannst du verlieren. 

Videos, Bücher und Podcasts haben solche Konsequenzen nicht—und spiegeln nicht wieder, wie viel wir wirklich gelernt haben. Doch unser Gehirn lernt u.a. durch Konsequenzen: 

  • Was belohnt wird, wiederholen wir.
  • Was bestraft wird, lass wir in Zukunft.

Ohne Konsequenzen ist Lernen unglaublich schwer.

Du wirst besser in dem, was du wiederholt tust, weil du Fehler ausmerzt und erfolgreiche Muster wiederholst. 

Genauso läuft’s auch beim Schach. Ich lerne hauptsächlich durch drei Dinge: 

  • Schachpartien gegen andere Leute
  • Eröffnungs-Training
  • Taktikpuzzles

Bei allen muss ich direkt Figuren bewegen und die richtige Antwort auf gegnerische Züge finden. Das ist pure Direktheit: Ich tue das, was ich lernen möchte: Gute Schachzüge machen.

Während Direktheit wichtig ist, ist “blind drauf los” keine gute Strategie. Meine 15 Spiele am Tag haben mich nicht weitergebracht, weil mir ein Lernprinzip fehlte: Übung.

Lernprinzip 4: Übung

Usain Bolt ist der beste 100m-Sprinter der Welt. Dafür muss er viel trainieren. Wenn Direktheit alles wäre, würde er jeden Tag 100m Sprints hinlegen. Tut er aber nicht.

Stattdessen macht er Krafttraining, längere Läufe, Intervalltrainings, usw. 

Denn diese Aktivitäten trainieren die Bestandteile des 100m-Sprints. 

Genauso lernt man Schach. Den Großteil meiner Schach-Zeit verbringe ich mit Training. Dabei trainiere ich einzelne Bestandteile einer Schachpartie:

Schach-Eröffnungen trainieren mit Chessable

Würde ich den ganzen Tag nur gegen andere Leute spielen, würde ich nicht vorankommen, wenn die Eröffnung eine meiner Schwachstellen ist. Denn jedes Spiel hat nur eine Eröffnung. 

Stattdessen mache ich Schach Eröffnungs-Kurse auf Chessable. Dabei bekommt man nicht nur einen Haufen Video zum passiven Konsum. Chessable hat eine Software, die Züge zeigt und erklärt. Danach spielt man die Züge direkt nach. Die Software merkt sich dabei, welche Züge man drauf hat und wo man Fehler macht. Im Lernmodus kommen immer erst Züge dran, bei denen man bisher viel falsch gemacht hat.

So trainiere ich meine Schach-Eröffnungen, ohne Wertungspunkte zu riskieren. 

Aber die Eröffnung ist nicht alles. Wie lernt man fürs Mittelspiel? 

Schach-Taktiken meistern mit Taktikpuzzles

Taktikpuzzles sind eine der wichtigsten Trainingsmethoden. Das Konzept ist simpel: Du bekommst eine Stellung und musst den besten Zug (oder eine Abfolge von Zügen) finden.

Puzzles simulieren häufige Situationen (im Beispiel oben das “erstickte Schachmatt”). Dadurch bringen sie mir bei, in echten Partien gute Züge zu finden. 

Ich nutze die Puzzle-Funktion auf Chess.com. Allerdings gibt’s viele weitere Websites, die Puzzles anbieten. 

Das sind meine wichtigsten Trainingsmethoden. Mit Schach als Lernprojekt habe ich Glück, dass es viele erwiesenen Übungen gibt. 

Allerdings ist diese Lernstrategie deutlich schwieriger, wenn man ein “freieres” Thema wählt. Wenn du beispielsweise Zeichnen lernen möchtest, bringt Malen nach Zahlen dich nicht voran. Hier musst du selbst erfinderisch werden, um die Teilbereiche deines Ziels zu erreichen.

Aber alle Übung bringt nichts, wenn wir das Ganze nicht anwenden.

Lernprinzip 5: Abruf

Everybody has a plan until they get punched in the mouth.

Mike Tyson

Übung bringt dich nur voran, wenn das Gelernte auf dein Ziel einzahlt. Ein Eröffnungskurs im Schach bringt wenig, wenn du die Eröffnung nie spielst.

In anderen Worten: Wenn du Informationen abspeicherst, ohne sie abzurufen, lernst du nicht.

Dieses Lernprinzip ist im Schach fast automatisch eingebaut, da jede Partie in der gleichen Umgebung stattfindet wie das Lernen selbst (dem Schachbrett). Außerdem ist jedes Schachspiel anders. Dadurch wirst du mit unterschiedlichen Variationen und Situationen konfrontiert, in denen du dein Wissen abrufen musst (oder Wissenslücken aufspürst).

Wenn du als Anfänger schnell Schach lernen möchtest, musst du für das Lernprinzip “Abruf” keine Extra-Maßnahme treffen.

Gerade beim Sprachen lernen ist Abruf wichtig. Wenn du Spanisch lernst, musst du nicht nur wissen, dass “Baum” auf Spanisch “árbol” heißt. Du musst dich daran erinnern, wenn du das Wort verwenden möchtest.

Das nächste Lernprinzip ist das schmerzhafteste.

Lernprinzip 6: Feedback

Für effektives Lernen braucht man klares Feedback. Beim Schach ist das relativ einfach: 

Gewinnen oder verlieren.

Doch gutes Spielen wird nicht immer belohnt – und schlechtes Spielen nicht immer bestraft. 

Manchmal hat man Glück: Nach einem schlechten Zug sieht der Gegner nicht, dass er einen hängenden Läufer gewinnen könnte. Und manchmal hat man Pech, wenn ein Gegner den Konter auf unsere Eröffnung kennt.

Deswegen brauchen Schachspieler detaillierteres Feedback. Ich nutze dafür nutze ich 3 Methoden: 

Finde und verbessere Fehler mit Spielanalysen

Jede gängige Schach-Website bietet Spielanalysen. Dabei ermittelt ein Schachcomputer, wer wann im Vorteil war und wie sich welcher Zug darauf ausgewirkt hat.

So findet man Fehler, die nicht bestraft wurden und kann sie verbessern. Gerade nach Niederlagen sollte man seine Fehler analysieren. Auf Chess.com, wo ich spiele, muss man für unbegrenzte Analysen eine Premium-Mitgliedschaft abschließen (ca. 30€ im Jahr). Gratis-Mitglieder erhalten eine Analyse pro Tag. 

Tiefe Reports und personalisiertes Training mit Aimchess

Aimchess ist eine meiner “Geheimwaffen”, um besser zu werden. Das Prinzip ist einfach: 

Du gibst deinen Nutzernamen auf Chess.com oder Lichess ein. Eine KI analysiert deine Spiele und ermittelt Stärken und Schwächen. Daraufhin erhältst du einen detaillierten Bericht: 

Zu jedem Aspekt gibt’s noch mehr Infos: 

Wie du siehst, gibt’s einen “Get Personalized Lessons” Knopf. Denn Aimchess erstellt nicht nur Berichte, sondern bietet direkt Übungen, die deine Schwächen ausbessern. 

Dadurch arbeitest du an deinen Baustellen, anstatt das zu wiederholen, was du schon kannst.

Ich bin ein großer Fan von Aimchess. Die Premium-Variante ist mit 6$ monatlich günstig. Doch auch die kostenlose Version ist großartig.

Zusammengefasst: Aimchess gibt dir detailliertes Feedback und koppelt es an Lektionen, die deine Schwächen ausbessern.

Doch der dritte Feedback-Mechanismus ist wahrscheinlich der effektivste: 

Hol dir nen Coach!

Jeden Donnerstag um 11 Uhr habe ich Schachtraining. Dabei treffe ich mich mit meiner Trainerinin einem Zoom Call. Wir analysieren meine Spiele, üben Endspiele und lösen Puzzles. Dabei erklärt sie mir die Prinzipien hinter guten Zügen und zeigt mir, was ich besser machen kann. 

Input und Feedback sind toll, doch regelmäßiges Training führt auch zu einem gesunden Druck – ich muss mich für meine Spiele gegenüber jemand anders verantworten.

Schach ist sehr objektiv. Man hat alle möglichen Kennzahlen, von der Wertung über die Gewinnrate bis hin zu detaillierten Statistiken á la Aimchess.

Wie funktioniert Feedback bei freieren Lernprojekten?

Wer ein Buch schreibt, kann keinen KI-Report erstellen, der Verb-, Adjektiv- und Kommanutzung analysiert und in Stärken und Schwächen aufteilt. 

Doch auch angehende Autoren lernen durch Feedback schneller. Du könntest Auszüge aus deinem Buch auf deinem Blog posten und schauen, was besonders gut ankommt. 

Das nächste Lernprinzip ist ähnlich wie Lernprinzip 4 (Abruf), möchte ich aber trotzdem eben erwähnen.

Lernprinzip 7: Abspeichern

Lernen bringt nichts, wenn du das Gelernte wieder vergisst. Das wissen die Meisten. Du wirst kein Schachspiel gewinnen, wenn du dir die Züge aus dem Eröffnungskurs nicht einprägst.

Zum Glück wissen das auch führende Plattformen: Chessable und Chess.com bieten eine Funktion, Gelerntes zu wiederholen. Wenn du diese nutzt, hast du Lernprinzip 7 ohne viel Arbeit umgesetzt.

Hierzu gibt’s im Schach-Bereich nicht viel mehr zu sagen. Falls du etwas anderes “ultralearnen” willst, empfehle ich einen Klassiker: 

Vergiss’ vergessen mit klugen Karteikarten

Viele Lerner setzen Karteikarten ein. Für meine Karteikarten nutze ich RemNote. RemNote ist eine mächtige Notiz-Software, mit der du in wenigen Klicks aus Notizen Karteikarten machst. 

Diese Karteikarten werden dann über Spaced Repetition ausgespielt (Spaced Repetition ist ein System, das Wissen verlässlich ins Langzeitgedächtnis überträgt).

Doch nicht alles Wissen lässt sich auf Karteikarten einfangen. Lernprinzip 8 beschreibt das Gegenteil: 

Lernprinzip 8: Entwickle Intuition

Gute Schachspieler finden bessere Züge in 1-minütigen Spielen als Anfänger in 10-minütigen Partien. Sie können nicht unbedingt schneller denken. Sie haben bessere Intuition. 

Wenn man gut in etwas ist, hat man “ein Gefühl dafür”. Im Schach merke ich immer öfter, dass spüre, wie sich eine Situation “anfühlt”. 

Das zeigt, dass man vorankommt. Man erkennt Muster und hat eine passende Reaktion darauf.

Doch Intuition kann gefährlich sein: Wer nicht mehr nachdenkt, macht keinen Fortschritt mehr. Selbst Großmeister haben oft zu wenig Zeit, weil sie zu viel nachdenken.

Intuition gibt’s natürlich nicht nur im Schach. Ein erfahrener Designer findet z.B. schnell ein passendes Farbschema, während Anfänger nach einer Komplementärfarben googeln. 

Intuition kann man nicht per Schritt-für-Schritt Verfahren lernen. Sie ist eher eine “Nebenwirkung” bewusster Lernprozesse. Allerdings ist es ein gutes Zeichen, wenn du merkst, dass du ein Bauchgefühl für dein Lernprojekt entwickelst 

Das letzte Lernprinzip stellt die rigiden Konzepte und Strukturen komplett auf den Kopf:

Lernprinzip 9: Experimentiere

Revolutionäre Ideen kommen selten von Alteingesessenen. Genauso kommen wirkliche Durchbrüche (ob im Schach oder jeder anderen Fähigkeit) oft aus unerwarteten Richtungen. 

Im Ultralearning-Buch beschreibt Scott Young, dass es auch wichtig ist, mal etwas vollkommen anderes zu machen. Das bringt nicht nur neue Einsichten, sondern macht auch Spaß. Es bringt nichts, ein Ziel zu verfolgen, wenn der Weg dahin keinen Spaß macht.

Deswegen experimentiere ich auch im Schach: Manchmal spiele ich kurze 1 Minuten Spiele, probiere eine vollkommen andere Eröffnung aus oder spiele andere Schach-Varianten. 

Experimente bringen jedes Lernprojekt voran: Oft kommen die besten Einsichten aus unerwarteten Ecken. Deswegen macht es Sinn, mal ab vom Schuss zu schauen. Wenn du sonst nur Artikel schreibst, schreibe mal eine Kurzgeschichte. Wenn du hauptsächlich Menschen fotografierst, probiere mal eine Landschaft aus. 

So, das waren die 9 Lernprinzipien von Scott Young. 

Zusammenfassung: So lernst du schnell Schach (oder jede andere Fähigkeit)

In unserer Gesellschaft sind wenige Dinge wichtiger als die Fähigkeit, sich Umständen anzupassen und neue Fähigkeiten schnell zu erlernen. Wer schnell Schach, Zeichnen, Klavier oder irgendetwas anderes lernen kann, der kommt auch in seiner Karriere schneller voran. 

Laut Scott Youngs “Ultralearning” baut jeder Lernprozess auf Prinzipien auf, die sich auf jede Fähigkeit anwenden lassen. Die 9 Lernprinzipien sind: 

  1. Metalernen
  2. Fokus
  3. Direktheit
  4. Übung
  5. Abruf
  6. Feedback
  7. Abspeichern
  8. Intuition
  9. Experimente

Und jetzt geht’s für mich zurück ans Schachbrett. Denn auf 1500 kommt man nicht von selbst 😉

Update 25.3.21: Warum stagniert mein Fortschritt?

Die letzten paar Wochen lief’s nicht gut mit dem Schachprojekt:

Es lief großartig. Selbst nach dem Meilenstein 1200 gewann ich noch Punkte dazu. Doch bei 1232 ging irgendwas schief. Seitdem dümpelt meine Schnellschach-Wertung bei ca. 1150 herum.

Ich möchte damit zeigen, dass ambitioniertes Lernen kein gerader Pfad zum Ziel ist. Natürlich hätte das nächste Update hier auch kommen können, wenn ich die 1500er-Wertung erreicht habe. Aber das wäre nicht ehrlich gewesen.

Für mich stellt sich da eine Frage: Warum steigt meine Wertung nicht mehr? Diese Frage gehe ich wie ein Forscher an. Ich habe eine Theorie, entwickle ein Experiment und teste es aus.

Hier meine Theorie:

Zu niedrige Zielsetzung durch zu niedrige Erwartungen

“Self-fulfilling Prophecies” sind ein interessantes Phänomen: Wir prophezeien etwas ohne Bezug zur momentanen Realität. Dadurch ändert sich unterbewusst unser Verhalten, sodass unsere Prophezeiung wahr wird.

Das kann uns schaden: Menschen mit geringem Selbstwertgefühl gehen davon aus, dass andere sie nicht mögen. Dadurch sehen sie in Interaktionen mit anderen nur das Negative — was wieder die Ansicht verstärkt, dass andere sie nicht mögen.

Doch Self-fulfilling Prophecies können uns auch helfen. Im Grunde sind Ziele vorteilhafte Self-fulfilling Prophecies. Wir treffen eine Vorhersage und suchen dann nach Möglichkeiten, sie wahr werden zu lassen.

Wo ist das Problem mit der 1500er-Wertung als Jahresziel? Fragen wir das mal Northcote C. Parkinson:

“Arbeit lässt sich wie Gummi dehnen, um die Zeit auszufüllen, die für sie zur Verfügung steht.”

N.C. Parkinson.

Ich nehme mir ein ganzes Jahr Zeit, um auf 1500 zu kommen. Wie lange brauche ich dann? Ein ganzes Jahr! Und wenn ich Ende Februar schon an der 1250 kratze, sieht mein Unterbewusstsein den Fortschritt als weniger dringend.

Das führt dazu, dass ich mich weniger konzentriere, wodurch ich schlechter spiele, wodurch ich Wertung verliere.

Die Alternative: Ein “Stretch-Ziel”. Stretch-Ziele sind Ziele, die auf den ersten Blick unmöglich scheinen. Solche Ziele helfen Unternehmen und Personen, über sich selbst hinauszuwachsen.

Realistische Ziele verbessern bestehende Ansätze. Durch Stretch Ziele entstehen komplett neue Ansätze.

Genau das braucht mein Schachprojekt. Klar, ich kann noch 8 Monate spielen und die 350 Punkte machen—aber mir geht’s beim Ultralearning darum, das beste aus mir herauszuholen. Das Ziel ist nur ein Ansporn, um das auch zu tun.

Deswegen verfolge ich über die folgenden 4 Wochen (bis zum 25.4.21) das Ziel, bis zum Ende 2021 ein 2000er Rating zu erzielen.

Das führt zu neuen Herausforderungen—statt Abkürzungen über Apps und Kurse zu nehmen, werde ich mich mit Schach in der Tiefe beschäftigen. Wie das lief, hörst du im nächsten Update. Wenn du kein Update mehr verpassen möchtest, melde dich unten für den Newsletter an.

“Was ist denn dein Wortpreis?” ploppte in den Facebook-Chat. 

Nervös tippte ich die Antwort:

“3 cent. Aber wenn dir der Text nicht gefällt, musst du auch nicht bezahlen!”

So ungefähr gewann ich meinen ersten Kunden (der mir nebenbei bemerkt immer noch 150€ schuldet..). Danach schrieb ich für ihn mehrere Artikel—und bekam dafür pro Wort drei Cent. 

Für den Elftklässler, der ich damals war, war das großartig. Doch ich hatte Blut geleckt. Mit den nächsten paar Kunden und Kundinnen traute ich mich nach oben: 4 Cent pro Wort (mit etwas weniger zittrigen Fingern getippt) und sogar 5 Cent pro Wort. 

Das wirkte damals wie riesiger Fortschritt—ich träumte schon von mehreren Kunden, die mir regelmäßig 10ct und mehr pro Wort zahlen. Doch dazu kam es nie. 

Denn mit Wortpreisen war nach ca. einem Jahr Schluss.

Wortpreise schaden meistens Texter und Kundin. Dabei scheinen Wortpreise doch maximale Transparenz zu liefern. Schließlich bezahlen Kundinnen nicht dafür, wenn ein Texter nichts produziert, weil er neben Google Docs einen LinkedIn Tab offen hat und auf dem zweiten Monitor Bundesliga schaut. Außerdem wird der Texter nicht für schnelles Schreiben bestraft (was bei Stundensätzen der Fall wäre). 

Doch Wortpreise führen zu schlechten Ergebnissen für alle Beteiligten—vom Texter über die Kunden bis hin zu den Kundinnen der Kunden.

In diesem Artikel erfährst du, wieso Wortpreise so viel Schaden anrichten—und wie Texterinnen ihre Preise auf Mehrwert basieren—nicht auf Zeit vorm Bildschirm oder Wörter im Dokument. 

Nach dem praktischen Teil über Zusammenarbeit teile ich mit dir im nerdigen Teil dieses Artikels meine Theorien dazu, wieso Wortpreise existieren und wieso Wortpreistexter meiner Meinung nach vom (wirtschaftlichen) Aussterben bedroht sind. 

Wieso Wortpreise Textern, Kundinnen und Lesern schaden

Tell me the incentives and I’ll tell you the outcomes

-Charlie Munger

Als ich pro Wort bezahlt wurde, war mir eine Metrik besonders wichtig: Wie viele Wörter kriege ich pro Stunde aufs (digitale) Papier? Das ist auch logisch. Denn je mehr Wörter ich pro Stunde schrieb, desto mehr Geld verdiente ich effektiv pro Stunde. 

So erzeugen Wortpreise Anreize, die dem Endergebnis schaden: 

  • Wer pro Wort bezahlt wird, wird für Recherche nicht bezahlt. Das führt dazu, dass man Recherche schnellstmöglich beendet (wodurch man u.U. wichtige Infos verpasst).
  • Schnell geschriebene Texte sind oft schlechte Texte. Auch nach Revisionsrunden.

(Wichtig: Problem Nr.1 ist vor allem bei Anfängern verbreitet. Erfahrene Wortpreisler kalkulieren den Aufwand für Recherche oft in ihre Wortpreise ein.)

Aber der Anreiz zur Geschwindigkeit ist nicht der einzige falsche Anreiz bei Wortpreisen: 

Wortpreise führen zu längeren Texten

Kennst du diese ewig langen, inhaltslosen Ratgeber-Artikel? 4000 Wörter über ein Thema, wovon 200 nützlich sind. Statt eine Frage zu beantworten (“Wie bindet man eine Krawatte?”) faselt der Artikel ellenlang über belanglose Hintergrundinfos (Seit wann gibt es Krawatten? Die Krawatte entstand im 18. Jahrhundert unter Seeleuten, die… GÄHN). 

Solche Texte entstehen, wenn die Texterin pro Wort bezahlt wird. Jedes extra Wort bringt mehr Geld. Natürlich sind Wortpreisler keine gierigen Menschen, die ihr eigenes Einkommen über ihre Kunden stellen. Aber Anreize wie Pro-Wort Bezahlung trüben unsere Sicht und führen zu unbewussten Entscheidungen. 

Denn wenn jedes Wort den Preis des Textes anhebt, dann basiert die Preisgestaltung auf einer Annahme: 

Mehr Text = Mehr Wert

Diese Annahme ist aber falsch. Denn Texte sind nicht wie gemischtes Hack an der Fleischertheke, wo 254 Gramm mehr kosten als 239 Gramm. Gute Werbetexte sind wie Steaks im Restaurant — die Gesamterfahrung zählt deutlich mehr als das genaue Gewicht der Portion.

So schaden Wortpreise auch den Kundinnen der Wortpreisler. Denn Besucher kommen auf eine Website, um etwas zu finden—nicht um etwas zu suchen. Zu lange Werbetexte überfordern Leser, wodurch weniger Besucher lesen, klicken und kaufen. Dadurch verliert der Kunde potentiellen Umsatz—und die Endverbraucherin ist verärgert von einem Produkt, das ihr Leben verbessert hätte (hätte die Kommunikation mal gestimmt).

Was für Texte insgesamt gilt, gilt auch für einzelne Teile des Texts: 

Wortpreise machen Texte kompliziert.

Gute Texte sind simpel. Sie sind einfach zu verstehen und enthalten keine überflüssigen Wörter. Dadurch verstehen Leser den Text besser und bleiben dabei.

Wortpreise bewirken das Gegenteil. Hier ein Beispiel:

✅Leser verstehen simple, kurze Texte am besten. 

❌ Simple Texte, die auch kurz sind, können das Verständnis der Leser um Längen steigern, wenn alle Regeln guten Schreibens befolgt wurden, die unter anderem Einfachheit und Kürze beinhalten.

Die Botschaft ist gleich. Doch Satz 1 ist klipp und klar, Satz 2 verwirrend und langweilig.

Doch Wortpreisler haben den Anreiz, Satz 2 zu schreiben. Denn Satz zwei enthält ca. 4,5 mal so viele Wörter. Wenn jeder Satz in einem Text viermal (oder auch nur doppelt) so lang ist wie die einfachere Alternative, dann bekommt der Texter mehr Geld. Kunde und Leserin verlieren aber, weil ein unleserlicher Text nicht unterhält, informiert oder überzeugt. 

An diesem Beispiel sehen wir: Mehr Text kann nicht nur dazu führen, dass der Text nicht mehr besser wird, sondern die Qualität sogar verschlechtern.

Über die letzten zwei Beispiele hast du gesehen, wie Wortpreise dazu führen, dass Texter unbewusst schlechtere Texte schreiben. Aber warum ist das schlecht für Texter, die doch mehr bezahlt werden? 

Gute Texte sind effektiv. Heißt: Sie erzeugen einen Effekt für den Kunden. Manchmal sind das Bestellungen, manchmal Google Rankings, manchmal Markenbekanntheit.

Verwirrende, ellenlange Texte sind ineffektiv. Sobald die Kundin keine Ergebnisse sieht, kündigt sie. So kann man als Texter kurzfristig Kunden gewinnen, verliert sie aber mittel- bis langfristig wieder. So baut man sich keine nachhaltig erfolgreiche Selbstständigkeit auf. 

Wortpreise belohnen schlechte Ideen

Wenn du schon mal einen Artikel geschrieben hast, ist in den Top 5 der meistbenutzten Tasten wahrscheinlich das Backspace. 

Aber gut—was ist die Alternative zu Wortpreisen? 

Mehr Ertrag (& mehr Risiko) als Texter durch Projektpreise

Festpreise sind nichts Neues. Statt x Cent pro Wort zu nehmen, veranschlagt man als Texterin bspw. 100€ pro Email Newsletter. 

Das Konzept ist simpel. Allerdings verstehen viele es falsch. Einige Schreiber hören nämlich: “Können wir dazu einen Festpreis machen?” und kalkulieren die ungefähre Anzahl Wörter, multiplizieren das mit ihrem Wortpreis und berechnen so den Festpreis. 

So entsteht zwar ein Festpreis—allerdings denkt die Texterin in diesem Fall über ihre Erzeugnisse immer noch wie über gemischtes Hack an der Fleischtheke, nicht wie über ein Steak-Menü im Restaurant. 

Gute Projektpreise erlauben es dir, in kürzester Zeit Aufträge zu erledigen und dafür überdurchschnittlich bezahlt zu werden. Allerdings nimmst du auch ein weiteres Risiko auf: Wenn extra Arbeit anfällt, geht das auf deine Kosten. 

Dass du selbst entscheiden darfst, wie lang ein Text wird, heißt auch, dass du selbst entscheiden musst. Anstatt nur dein eigenes Ziel im Kopf zu haben, musst du die geschäftlichen Ziele des Kunden (und die individuellen Ziele jedes Textes) kennen. Basierend auf diesen Infos richtest du dann deine Arbeit auf.

Deswegen sind Projektpreise ein großartiges Mittel, um dich und dein Unternehmen weiterzuentwickeln: Sie zwingen dich zu effizienter Planung, Verantwortung und Effektivität. 

Wenn Texter mit Projektpreisen anfangen, stellen sie sich oft eine Frage: “Und wie viel nimmt man da so?”

Projektbasierte Preisgestaltung für Texter: So geht’s

Kundinnen haben meistens einen finanziellen Anreiz, um sich Texte schreiben zu lassen. Ob SEO-Content, Newsletter-Texte oder Social Media Posts: Wer dich fürs Schreiben bezahlt, möchte dadurch direkt oder indirekt mehr Geld verdienen. 

Den potenziellen finanziellen Effekt deiner Texte kannst du herausfinden. Eine Möglichkeit ist eine direkte Frage: “Was würde das für dein Unternehmen bedeuten?”

Eine andere Möglichkeit ist eine ungefähre Berechnung basierend auf den Preisen des Kunden, Besucherzahlen usw. Wenn du dann einen kleinen Anteil des potenziellen Wertes veranschlagst, nimmt der Kunde deinen Preisvorschlag wahrscheinlich gerne an. 

Und schon ist es egal, wie lange du tatsächlich vorm Computer sitzt oder ob der Wortzähler 250 oder 1000 Wörter anzeigt. Die Bezahlung bleibt gleich. Als projektbasierte Freelancerin lieferst du Kunden bessere Ergebnisse und wirst für die gleiche Arbeit besser bezahlt.

Nerd-Talk: Wieso Wortpreisler (wirtschaftlich) aussterben werden

Die Text-Welt beschäftigt sich schon länger mit der Frage: “Wie wird künstliche Intelligenz unser Geschäft beeinflussen?”

Lange musste man sich keine Gedanken machen. Denn Text-KIs spuckten nur unleserlichen Gebrabbel aus. Doch das änderte sich, als GPT-3 auftauchte. 

Diese KI schreibt sehr gute Texte über allgemeine Themen. Wenn wir uns anschauen, wie andere Branchen automatisiert wurden, sehen wir ein klares Muster: 

  1. Erste Versuche funktionieren nicht recht, Ergebnisse sind höchstens als wissenschaftliche Fortschritte brauchbar.
  2. Technologien werden besser, unterstützen Menschen bei ihrer Arbeit (im Text-Bereich bspw. Grammarly)
  3. Technologien erzeugen Ergebnisse, die gleich gut wie die von Menschen sind.
  4. Zugang zu Automatisierungs-Technologien wird günstiger und einfacher.
  5. Konkurrenz im KI-Bereich treibt Kosten nach unten. Menschen können nicht mehr konkurrieren.
  6. Menschliche Arbeit differenziert sich durch andere Vorteile.

Meiner Meinung nach befinden wir uns momentan in Phase 3, wenn’s um reine Texterstellung geht. Auch Phase 4 beginnt schon (http://copy.ai).

Texterstellung wird meiner Meinung nach in den nächsten paar Jahren eine grundlegende Veränderung durchlaufen. Das heißt nicht, dass Texterinnen überflüssig werden. Aber Wortpreisler, die nur Worte in einem Dokument liefern, werden mit Algorithmen konkurrieren, die weder Schlaf noch Sozialversicherung brauchen. 

Wer hingegen weiß, wie man die Ziele seiner Kundinnen in Textaufgaben umwandelt, freut sich über die Unterstützung von Algorithmen. Denn was KIs (noch) nicht können, ist der echte Mehrwert von projektbasierter Zusammenarbeit: Sich gemeinsam ein Ziel setzen, Pläne dafür entwickeln und diese umsetzen. Ich zumindest freue mich darauf, wenn mich eine Text-KI bei der Kundenarbeit unterstützt.

“Kennst du das auch, wenn du…” tippte ich verzweifelt ins LinkedIn Schreibfenster. Doch wie die letzten 3 Anfänge verschwanden auch diese 6 Worte wieder. 

Ich hatte mich nach Jahren kompletter Inaktivität wieder bei LinkedIn eingeloggt, weil ich endlich Social Media Content erstellen wollte. Aber ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, was man da überhaupt postet. 

Ein kurzer Scroll durch den Newsfeed zeigte mir die erfolgreichen Posts anderer: Makellos designte Slideshows, Beiträge in Tweet-Länge mit 100+ Likes und hochwertig produzierte Videos. Wie sollte ich da mithalten? 

Als Freelancer habe ich keine 20 Stunden pro Woche für Content übrig.

Ich hätte Social Media fast wieder als Zeitverschwendung abgetan. Doch ich überwand mich. Und der erste Post war zugegebenermaßen durchschnittlich. 

Seitdem veröffentliche ich (bis auf wenige Ausnahmen) täglich—und zwar ohne dafür zeitlich einen neuen Nebenjob anzunehmen. Für Content plane ich pro Woche nämlich nur ca. 2 Stunden ein. Der Schlüssel dazu sind nicht Wort-für-Wort Vorlagen oder stumpfe Wiederverwendung. Es sind simple Strategien, die Content-Erstellung vereinfachen und beschleunigen.

In diesem Artikel erfährst du einige der Strategien, mit denen du auch regelmäßig effektiven Content erstellen kannst, ohne dich zu überlasten.

Strategie 1: Der Zeitungs-Trick

Devin Stone ist ein erfolgreicher YouTuber. Er hat (im Februar 2021) 1,71 Millionen Abonnenten und ist nebenbei praktizierender Anwalt. Bei 234 Videos in 4 Jahren hat er dabei ziemlich genau ein Mal die Woche ein Video veröffentlicht. 

Wie schafft er es, wöchentlich so guten Content zu liefern, dass in nur 4 Jahren Millionen den Kanal abonnieren? Das fragte auch Noah Kagan ihn in einer Podcast-Folge. Seine Antwort war simpel: 

“Content-Serien”: Wiedererkennbare Inhalte häufig liefern:

Auf Devins Kanal “Legal Eagle” findet man fast ausschließlich 3 Arten von Videos:

  • x gets lawyered: Er schaut sich Gerichts-/Anwaltsszenen aus Filmen an und beschreibt, wie realistisch diese sind.
  • Real Law Review: Devin kommentiert einen Rechtsstreit, der momentan durch die Medien geht.
  • Shorts: Kurze Videos über rechtliche Dinge.

Das ist in konventionellen Medien nicht anders. Bei der FAZ kommen Journalisten morgens nicht ins Büro und fragen sich, worüber sie heute mal schreiben könnten. Sie wissen, dass jeden Tag der Sportteil, Kulturteil, Wissenschaftsteil usw. befüllt wird. 

Das ARD produziert auch nicht ständig neue Krimis, sondern überlegt sich neue Geschichten für den Tatort

Im Content Marketing hat sich diese Mentalität bisher wenig verbreitet. Dabei haben Serien drei große Vorteile: 

  1. Schnellere Produktion: Wenn du regelmäßig im gleichen Format produzierst, wirst du darin effizienter, weil du nicht immer von Grund auf denken musst.
  2. Einfachere Ideenfindung: Ein komplett leeres Dokument ist beängstigend. Eine “Serie” gibt dir schon mal einen Startpunkt.
  3. Zuschauer-/Leserbindung: Wenn du regelmäßig genau das lieferst, wofür Leute dir folgen, kommen Leute gerne zurück und fangen an, dir zu vertrauen.

Am Anfang musst du wahrscheinlich einige Formate austesten. Sobald du aber eins gefunden hast, das funktioniert, liefere es regelmäßig und gib ihm am besten einen Namen. 

Das heißt natürlich nicht, dass du deine gesamte Personal Brand auf ein oder mehrere Formate begrenzen solltest. Allerdings sollten verlässliche, effektive Formate das Fundament deines Contents sein. Das Stichwort ist verlässlich. Denn wenn du nur alle Jubeljahre etwas veröffentlichst, vergessen dich die Leute. Unverlässlich werden Content-Ersteller vor allen Dingen dann, wenn es an Ideen mangelt. 

Doch auch das ist leicht behoben: 

Strategie 2: Ideen-Listen

Für die meisten Selbstständigen ist Ideenknappheit nicht das Problem—die Ideenpünktlichkeit fehlt. Beim Einkaufen, Rad fahren, Sport machen oder Duschen haben wir ständig interessante Ideen. 

Doch wenn wir dann im Google Doc, dem LinkedIn Editor oder vor der Kamera sind, versiegt die Ideenquelle plötzlich. 

In anderen Worten: Wir haben die besten Ideen, wenn wir sie gerade nicht umsetzen können. Wenn wir gute Content-Ideen erzwingen wollen, kommen wir nicht voran.

Die Lösung ist so simpel wie gut: Lege eine Notiz an, in der du dir Ideen notierst, sobald sie dir in den Kopf kommen. Das klingt simpel—und ist es auch. Wichtig ist nur, dass du dir das so notierst, dass es auch zu Content wird. Hier ein paar Tipps dazu:

  1. Lege nicht jedes Mal eine neue Notiz an. Erstelle eine Liste und führe sie fort, anstatt 30 verschiedene Notizen zu erstellen.
  2. Schreibe auch schlechte und verrückte Ideen auf. Dadurch gewöhnst du dir an, Content Marketing Ideen aufzuschreiben—und oft führt ein zweiter Blick auf die Idee dazu, dass wir merken, wie daraus etwas werden könnte.
Kleiner Auszug aus meiner Content Marketing Ideen Liste.

Wie du in der Liste oben siehst, habe ich nicht jede Idee abgehakt. Einige schienen auf den zweiten Blick einfach nicht mehr gut. Das ist kein Problem. In der Ideen-Liste sammelst du erstmal nur. Filtern kannst du dann, wenn’s ums veröffentlichen geht.

Und schon hast du keine Ausreden mehr Wenn du jetzt mal keine Idee hast, kannst du immer zu deiner Ideen-Liste klicken und einfach eine davon umsetzen. 

Mit Software zur automatisierten Content-Maschine

Viele stellen sich das Leben als Content-Ersteller vor wie die hektische Tätigkeit eines Community Managers: Ständig auf Social Media die wichtigsten Metriken checken, Kommentare beantworten und eine passende Antwort auf Hater finden. 

Das muss nicht so sein. Ich bin ganz ehrlich: Ich arbeite am liebsten in ununterbrochenen Zeitblöcken. Nur ich, iA Writer, RemNote, mein Moleskine Notizbuch und meine mechanische Tastatur. Und ein wichtiges Projekt. 

Einblick ins Dachboden-Workspace.

Genau so erstelle ich meinen Content: Ein Mal am Montag nehme ich mir 90 Minuten, um Content für die Woche zu erstellen. Dann kommt der in Buffer und wird automatisch jeden Morgen um 7:33 gepostet. 

Dadurch muss ich nicht jeden Tag auf LinkedIn sein. Diese Strategie ist weniger komplex, aber automatisiertes Posten lässt dich beim Content Marketing viel Zeit sparen, damit dich der Newsfeed nicht von deiner Kundenarbeit oder anderem Tagesgeschäft abhält. 

Tools gibt’s viele, zu den Bekanntesten zählen Buffer (das nutze ich) und Hootsuite. 

Natürlich sollte man trotzdem auch Kommentare beantworten. Das freut nicht nur Social Media Algorithmen, sondern führt auch zu Gesprächen, woraus u.U. Kunden werden könnten. 

Wie du siehst: Content Marketing für Selbstständige muss nicht so schwierig sein.

Wenn du 

  1. Formate entwickelst
  2. Ideen regelmäßig erfasst
  3. automatisiert postest

Kannst du in wenigen Stunden pro Woche täglich Content liefern, ohne dafür deine Kunden oder Freizeit zu vernachlässigen.